
Versucht man die zehn aermsten Laender der Welt aufzuzaehlen, denkt man sicher an Ethiopien und Mali und bei dem Wort Nepal geraet man sicher etwas in ueberlegtes Zoegern, ist Deutschlands Bild von
Nepal doch von wunderbaren Wanderrouten und romantischem Bergpanorama und nicht von bettelnden Strassenkindern gepraegt.
Tatsaechlich hat Nepal, wie nur wenige Orte, in Deutschlands Ohren einen mysthischen und verwunschenen Nachklang, doch wohl nur die wenigsten haben realistische Vorstellungen vom kleinen Land am anderen Ende der Weltkarte.
Obwohl, oder gerade weil, der Buergerkrieg erst vor 3 Jahren beendet wurde und im Fruehjahr 2008 das Land zum ersten Mal zu einer Demokratie gewaehlt wurde, ist Nepal immer noch auf der Suche nach einer festen politischen Richtung und stabilen Verhaeltnissen (siehe z.B.: www.nayanepal2008.blogspot.com).
Wie immer sind es die sozial Schwachen und Gefaehrdeten, die unter den fehlenden Sozialstrukturen und Sozialbewusstsein einer Regierung in der Umbruchsphase leiden.
Auch fuer mich war Nepal eine vage Vermutung und um das Geheimnis zu lueften und Nepals Menschen und ungeschminkte Realitaet naeher zu kommen, verbrachte ich zwei Monate im Sommer 2009 als freiwillige Mitarbeiterin des
Esther-Benjamin-Trust in Nepal.
Der
Esther-Benjamin-Trust ist eine im UK basierende Nicht-Regierungsorganisation (NRO) und nun schon seit zehn Jahren in Nepal in verschiedenen sozialen Projekten sehr erfolgreich aktiv, wobei die junge deutsche Schwesterorganisation
Hatemalo - Hand in Hand fuer Nepal e.V. - www.hatemalo.de - von Deutschland aus nachhaltige Unterstuetzung fuer benachteiligte Kinder und Familien anbietet.

Eines der Anliegen von
Hand in Hand fuer Nepal ist es, nepalesische Maedchen und junge Frauen aus der
Zwangsarbeit zu befreien. So stammen die Maedchen aus armen Verhaeltnissen, so dass es Mittelsmaennern gelingt, diese unter falschen Versprechungen den Famillien “abzukaufen” und unter widrigen und oft lebensbedrohlichen Umstaenden zum Beispiel in Indiens Zirkussen festzuhalten.
Die Organisation hat heute zwei
Fluechtlingszentren, eines in Nepals Hauptstadt
Kathmandu und eines in
Bhairahawa, einer Kleinstadt im Sueden Nepals an der Grenze zu Indien.
In diesen Haeusern sind im Moment 40 (Kathmandu), bzw. zehn Maedchen und junge Frauen (Bhairahawa) untergebracht, um diese schulisch oder ausbildungstechnisch auf ein selbstaendiges und gestaerktes Leben ausserhalb des Armutskreislaufs vorzubereiten.
Seit zwei Jahren Jahren gibt es ein
Ausbildungsprojekt, in dem die jungen Frauen Mosaik-Bilder aus Fliesen herstellen.
Die Fluechtlingszentren beherbergen jedoch auch 60 bzw. 20 benachteiligte Kinder und Jugendliche aus anderen Lebenslagen, als der der
befreiten Zirkuskinder.
Die meisten Kinder sind sogenannte
Gefaengnis-Kinder, deren Eltern oder verbleibender Elternteil eine Gefaengnisstrafe verbuessen muessen und die Kinder - nach niedrigstem nepalesischem Standard - mit in der Zelle leben muessten.
Hierfuer dienen die Fluechtlingshaeuser, um diesen Kindern ein voruebergehendes Heim, Sicherheit und Schutz zu bieten, mit dem Ziel, die Kinder eines Tages nach Moeglichkeit wieder mit den Eltern zu vereinen.
Neben den Gefaengnis-Kindern werden auch
Slumkinder beherbergt, deren Eltern oder verbliebener Elternteil aufgrund der Armut keine adaequate Moeglichkeit haben, sich ausreichend um deren Kinder kuemmern zu koennen.
Aufgrund der wachsenden Armut und der sich schnell ausbreitenden Slumgebiete in Nepals Staedten, ist der
Esther-Benjamin-Trust in diesen Tagen dabei, einen innovativen Umgang mit dieser Problematik zu finden.
So wird die NRO z.B. in Zukunft in der stark slumbesiedelten Stadt
Butwal, bereits vor Ort vorhandene Bestrebungen der
nachhaltigen Armutsbekaempfung unterstuetzen.Dies geschieht z. B. in Form eines Klassenraumausbaus und der Bereitstellung von Lehrmaterial in einer freiwilligen und
kostenfreien Slumschule und dem Plan fuer ein Tageszentrum, um die Kinder dauerhaft von den Strassen zu holen, ihnen Schutz und gesunde Mahlzeiten anbieten zu koennen.
Nepal mag auf eine Vergangenheit voller Schwierigkeiten zurueckblicken, doch das tatkraeftige Bestreben von Organisationen wie dem
Esther-Benjamin-Trust und der deutschen Unterstuetzung durch
Hatemalo - Hand in Hand fuer Nepal e.V., laesst meinen Blick in die Zukunft mit Hoffnung fuellen. Kathmandu, 09. Juli 2009